Förderung Geförderte Vorhaben The Fight Against Traffic in Women and Children in Interwar Poland

The Fight Against Traffic in Women and Children in Interwar Poland

Gegenstand des Forschungsvorhabens ist der Kampf polnischer Behörden und Nichtregierungsorganisationen gegen illegalen Frauen- und Kinderhandel in der Zwischenkriegszeit (1918-1939).

Bereits im 19. Jahrhundert wanderten viele Frauen und Mädchen aus dem geteilten und besetzten Polen aus. Zumeist wurden sie von ausländischen Reiseagenten mit der Inaussichtstellung einer lukrativen Arbeitsstelle oder dem Versprechen einer baldigen Heirat in der neuen Heimat angeworben. Häufig allerdings gerieten die Frauen und Kinder dabei in die Hände von Menschenhändlern, die ihre wirtschaftlichen und rechtlichen Zwangslagen ausnutzten und sie in die „Neue Welt“, vor allem nach Südamerika, oder über die Türkei in den Vorderen Orient verschleppten und dort zur Prostitution zwangen. Um gegen diese neue Form der „White Slavery“ zu kämpfen, gründeten sich internationale Frauenorganisationen wie zum Beispiel die „International Abolitionist Federation“ (1875) oder die „Jewish Association for the Protection of Girls and Women“ (1885). Nach dem Ersten Weltkrieg nahm sich der Völkerbund dieses Themas an und verabschiedete die „Internationale Übereinkunft zur Unterdrückung des Frauen- und Kinderhandels“ (1921). Sie verpflichtete die Mitgliedsstaaten dazu, den kriminellen Menschenhandel in ihren Ländern zu unterbinden. Auch im seit 1918 wieder unabhängigen Polen wurden daraufhin staatliche Maßnahmen beschlossen, um die Auswanderung von Frauen zu erschweren und den Frauen- und Kinderhandel einzudämmen. Der Staat schuf darüber hinaus eigene Institutionen  – wie z. B. das „Komitee für die Unterdrückung des Kinder- und Frauenhandels“ und die „Frauen-Polizei“ –, die den illegalen Menschenhandel bekämpfen sollten; zivilgesellschaftliche Organisationen – wie z. B. die „Warschauer Christliche Vereinigung zum Schutz von Frauen“, die „Warschauer Jüdische Frauenvereinigung“, die (katholische) „Nationale Frauenvereinigung“ –, versuchten durch Kampagnen, die Öffentlichkeit auf den kriminellen Frauen- und Kinderhandel aufmerksam zu machen.

Ziel des Forschungsprojektes ist es, die Netzwerke polnischer Organisationen gegen den Frauenhandel und ihre Beziehungen zu lokalen Einrichtungen zum Schutz von Frauen (z. B. „Frauen-Polizei“, Hafen- und Bahnhofsmissionen) sowie zur internationalen Frauen- und Abolitionist-Bewegung zu untersuchen. Darüber hinaus wird geklärt , inwieweit der nationale und internationale Kampf gegen den Menschenhandel zum Aufbau staatlicher Strukturen, zur Schaffung einer einheitlichen Gesetzgebung und zur Entwicklung einer Zivilgesellschaft im Polen der Zwischenkriegszeit beigetragen hat. Außerdem wird die Diskussion über den Umgang mit dem illegalen Frauenhandel zu anderen politischen und gesellschaftlichen Diskursen über Moral, Volksgesundheit, Eugenik und Hygiene, Freizügigkeit und Mobilität, Rechte von Frauen und Minderheiten im Polen der Zwischenkriegszeit in Beziehung gesetzt.