Die Frage des NS-Gedenkens wird in Deutschland, Europa und darüber hinaus kontrovers diskutiert. Das häufig vorgebrachte Argument, die »Erinnerungskultur« müsse zeitgemäß(er) ausgerichtet sein, erklärt dabei weniger als oftmals suggeriert wird, denn wie und warum sich die Prämissen und Perspektiven öffentlichen Erinnerns verändern sollen, und welche Folgen das hätte, wird kaum je eingehender diskutiert. Vielmehr tendiert die Gegenwartsfokussierung dieser Forderung stark dazu, historische Ereignisse aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang herauszulösen und deren Erforschung nicht als Möglichkeit gesellschaftlicher Verunsicherung und Selbstverständigung zu begreifen, sondern als Gelegenheit, sie den jeweils aktuellen politischen und gesellschaftlichen Bedürfnissen anzupassen und unterzuordnen. Was bereits 2023 Gültigkeit beanspruchen konnte, hat sich seitdem weiter verschärft. Seit dem 7. Oktober 2023 hat nicht nur der Antisemitismus global wie in Deutschland und Europa massiv zugenommen, sondern häufen sich Angriffe auf Orte des Gedenkens an die Opfer der Shoah und wird das NS-Gedenken als Hindernis auf dem Weg zu einer friedlichen Lösung des Kriegs in Gaza verstanden, was in Slogans wie »Free Palestine from German Guilt« zum Ausdruck kommt.
Vor diesem Hintergrund werden die Ergebnisse des Bandes »Die Zukunft des NS-Gedenkens. Geschichte als gesellschaftliche Selbstverständigung« vorgestellt, mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft/Public History, Gedenkstättenpraxis/musealer Praxis und Publizistik weitergedacht und im Hinblick auf die jüngsten Entwicklungen auf ihre Gültigkeit untersucht.
Die vorgestellte Publikation ist im Rahmen der von der Fritz Thyssen Stiftung unterstützten und unter Leitung von Frau Professorin Christina Morina durchgeführten Veranstaltungsreihe, den jährlich stattfindenden »Bielefelder Debatten zur Zeitgeschichte«, entstanden.
Veranstalter: Christina Morina (Universität Bielefeld), Anna Strommenger (Universität Bielefeld)
Podiumsdiskussion:
Kommentare: Henning Borggräfe (NS-Dokumentationszentrum Köln), Nicole Kramer (Universität zu Köln), Mirjam Wenzel (Jüdisches Museum Frankfurt)
Moderation: Christian Staas (DIE ZEIT Hamburg)