The Protection of Whistle-Blowers in Organizations: An Economic Analysis

Welche Auswirkungen haben Schutzprogramme für Whistle-Blower in Organisationen auf die Entdeckungswahrscheinlichkeit illegalen Verhaltens, auf die Arbeitsatmosphäre und auf die Produktivität der Organisationen?
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Bewilligung

Juli 2013

Laufzeit

2 Jahre

Fördersumme

Förderbereich

Staat, Wirtschaft & Gesellschaft
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In einer Reihe von bekannten Unternehmen wie z. B. Enron und Worldcom sind große Skandale letztlich durch interne Whistle-Blower öffentlich gemacht worden. Als Whistle-Blower werden Mitglieder einer Organisation bezeichnet, die Fehlverhalten beobachten und melden, aber nicht darin involviert sind. Bei der Aufdeckung von Betrug scheinen Mitarbeiter wegen ihres offenen Informationszugangs eine größere Rolle zu spielen als beispielsweise Ermittler, Wirtschaftsprüfer oder Regulierungsbehörden. Allerdings sehen sich Whistle-Blower meist mit heftigen Vergeltungsdrohungen von anderen Mitarbeitern oder dem Management konfrontiert, was im Zuge der großen Skandale eine wissenschaftliche und politische Debatte über mögliche Schutzprogramme für potentielle Whistle-Blower angestoßen hat. In der Folge haben einige Staaten entsprechende rechtliche Maßnahmen zum Schutz von Whistle-Blowern ergriffen. Art und Ausmaß des gesetzlichen Schutzes unterscheiden sich stark. Alle rechtlichen Initiativen haben jedoch zwei Ziele gemein: Zum einen sollen die Anreize für Organisationsmitglieder reduziert werden, sich überhaupt illegal zu verhalten; zum anderen sollen Insidern der Organisationen, die bereits Zugang zu relevanten Informationen haben, Anreize geboten werden, illegales Verhalten aufzudecken.

Je nach Art und Ausmaß der Schutzprogramme können ungewollte Folgen auftreten, die den eigentlichen Zielen zuwider laufen. Ein zu starker Schutz für Whistle-Blower könnte eine „Atmosphäre des Misstrauens“ innerhalb der Organisation schaffen. Außerdem könnte die Anzahl der Falschanzeigen („fraudulent claims“) zunehmen. Tatsächlich werden diese beispielsweise in den USA nur milde sanktioniert, was gerade mit ihrem Job unzufriedene Mitarbeiter zu falschen Anzeigen verleitet. Letztlich gibt es Bestrebungen, Whistle-Blowern, wie in den USA, neben Schutz auch eine finanzielle Belohnung zu gewähren. Gegner befürchten allerdings, dass dadurch die intrinsische Motivation des Whistle-Blowers verdrängt wird und moralische Überlegungen ihn am Ende sogar von der Meldung abhalten. Das festigt wiederum die „Mauer des Schweigens“, die, wie Prof. Mühlheußer und Prof. Roider bereits in Vorarbeiten formaltheoretisch gezeigt haben, sogar ohne direkte Vergeltungsdrohung wachsen kann.

Das Projekt möchte zu der kontroversen Diskussion über die Ausgestaltung von Schutzprogrammen für Whistle-Blower beitragen, da diese nicht nur die Entdeckungswahrscheinlichkeit illegalen Verhaltens beeinflussen, sondern auch bedeutende Auswirkungen auf die Arbeitsatmosphäre und damit auf die Produktivität der Organisationen haben. Prof. Mühlheußer und Prof. Roider sehen in der Debatte zwei wesentliche noch offene Punkte, die im vorliegenden Projekt durch zwei Teilprojekte beleuchtet werden sollen.

Ziel des ersten Teilprojekts ist die Entwicklung und Analyse eines einheitlichen theoretischen Modells, das die wesentlichen Variablen im Zusammenhang mit Whistle-Blower Schutzprogrammen simultan und endogen ableitet. Das Modell soll dazu dienen, das Verhalten und Zusammenspiel dieser Kernvariablen unter verschiedenen Regulierungsformen besser zu verstehen. Außerdem sollen aus den Ergebnissen Hypothesen über die Auswirkungen von Änderungen der Rechtslage zu Whistle-Blower Schutzprogrammen abgeleitet werden.

Im zweiten Teilprojekt werden die Hypothesen des ersten Teilprojekts empirisch mittels experimenteller Daten untersucht. Hierbei bedient sich das Forscherteam der experimentellen Ökonomik und plant eine Serie von Laborexperimenten. So sollen die zu erwartenden Auswirkungen von Veränderungen der Whistle-Blower Schutzprogramme in Experimenten geprüft werden.

Institution

Prof. Gerd Mühlheußer

Fachbereich Volkswirtschaftslehre, Universität Hamburg
Webseite

Prof. Andreas Roider

Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Universität Regensburg
Webseite

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