Predictive Policing. Eine ethnographische Studie neuer Technologien zur Vorhersage von Straftaten und ihrer Folgen für die polizeiliche Praxis

Wie wirkt sich die Einführung von Technologien zur Vorhersage von Straftaten auf die polizeiliche Praxis und die institutionelle Organisation von Polizeiarbeit aus?
Information

Bewilligung

Juni 2016

Laufzeit

2 Jahre

Fördersumme

Förderbereich

Staat, Wirtschaft & Gesellschaft
Information

In zahlreichen Polizeibehörden in Deutschland erfolgt derzeit die Erprobung und Einführung softwaregestützter Prognosetechnologien. Die Grundlage dieser Systeme bilden Datensätze zu polizeilich registrierter Kriminalität, die zum Teil mit sozialräumlichen, kalendarischen und meteorologischen Daten ergänzt werden. Mit dem polizeilichen Einsatz solcher Prognosetechnologien geht die Verbreitung einer in der Polizeiforschung als »Pre-Crime« oder auch »Predictive Policing« bezeichneten vorhersageorientierten Polizeiarbeit einher. Die automatisierte Verwertung großer polizeilicher Datenbestände verspricht so, die von politischer Seite oft geäußerte Erwartungshaltung, potentiellen Gefahren und Risiken vorbeugend begegnen zu können. Diese Methoden sind politisch und wissenschaftlich jedoch immer noch umstritten.

Eine besondere Relevanz des Projekts ergibt sich aus dem Umstand, dass immer mehr Bundesländer Methoden des »Predictive Policing« einsetzten. Versuche, die erwarteten präventiven und effizienzsteigernden Effekte des »Predictive Policing« empirisch zu untermauen, haben bisher aber noch keine eindeutigen Befunde geliefert. Auch die Folgen für die polizeiliche Praxis sowie die gesellschaftlichen Auswirkungen werden in Deutschland bisher noch nicht systematisch erforscht.

Daher wird im Rahmen dieses Projekts untersucht, wie sich die Einführung von Technologien zur Vorhersage von Straftaten auf die polizeiliche Praxis und die institutionelle Organisation von Polizeiarbeit auswirkt. Außerdem wird eruiert, inwiefern sich mit diesen Technologien nicht nur das polizeiliche, sondern auch das gesellschaftliche Verständnis von Kriminalität und Gefahren verändert. Die konkrete Forschungsfrage des Projekts lautet: Wie verändern die technisch produzierten Lagebilder die polizeiliche Wahrnehmung von Kriminalität sowie die Struktur polizeilicher Einsätze? Aufgrund des avancierten Einsatzes der Software »Precobs« wird München als exemplarisches Fallbeispiel gewählt.

Ziel ist es zunächst, die konkreten situations- und organisationsbezogenen Auswirkungen der Prognosetechnologie für die Polizei zu erforschen (wie sie sich typischerweise in Phasen der Erprobung und Einführung neuer Methoden zeigen). Außerdem werden die Anpassungen und Veränderungen der Prognosetechnologien im Rahmen ihrer Einführung (Konfigurationsanalyse) sowie die alltägliche Anwendung der Technologien in der polizeilichen Praxis (Anwendungsanalyse) rekonstruiert. In einem dritten Schritt werden dann die breiteren gesellschaftlichen Implikationen von Prognosetechnologien rekonstruiert. Zur Kontrastierung der Ergebnisse werden ergänzende Beobachtungen und Experteninterviews in Zürich, Hamburg und Niedersachsen durchgeführt.

Mit einer soziotechnisch informierten, ethnographischen Untersuchung der Erprobung, Einführung und Anwendung von Prognosetechnologien legt die Studie einen Grundstein für die Erforschung der polizeipraktischen, organisationalen und gesellschaftlichen Folgen von vorhersageorientierter Polizeiarbeit in Deutschland.

Institution

Prof. Susanne Krasmann

Institut für Kriminologische Sozialforschung, Universität Hamburg
Webseite

Projekte aus dem Förderbereich Staat, Wirtschaft & Gesellschaft

Tagung: Theories of Choice. The Social Science and the Law of Individual, Collective and Organizational Decision Making +

Tagung: »Verfassungsentwicklung durch Verfassungsgerichte +

Tagung: Behavioral Finance for Policy and Regulation +

Projekt: FEHR, Hans; Manuel Kallweit; Fabian Kindermann: Household formation, female labor supply, and savings. +