Polnische Bürgermeister und die Verwaltung des Generalgouvernements. Judenmord, Kooperation und Widerstand

Im Rahmen des Projekts wird das Verhalten polnischer Bürgermeister, die während des Zweiten Weltkrieges im von Deutschland okkupierten Generalgouvernement amtierten, untersucht.
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Bewilligung

Juni 2017

Laufzeit

2 Jahre

Fördersumme

Förderbereich

Geschichte, Sprache & Kultur
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Das Generalgouvernement wurde im Oktober 1939 auf einem Teil des besetzen polnischen Staates errichtet. Es bestand aus den Distrikten Warschau, Krakau, Radom, Lublin, zu denen im August 1941 noch der Distrikt Galizien hinzukam. Das Generalgouvernement verfügte über eine eigene Regierung und Verwaltung, an deren Spitze der von Hitler nominierte und ihm direkt unterordnete Jurist Hans Frank stand. Anders als in den polnischen Gebieten, die — wie der Warthegau oder der Reichsgau Danzig-Westpreußen — in das Deutsche Reich eingegliedert wurden, versuchten die deutschen Machthaber im Generalgouvernement nicht, möglichst alle polnischen Beamten und Angestellten durch „reichs“- oder „volksdeutsches“ Personal zu ersetzen. Vielmehr integrierten sie einen Großteil der polnischen Vorkriegsbeamtenschaft in die neuen Besatzungsstrukturen.

Polnische Bürgermeister waren eine der wichtigsten Beamtengruppen des Verwaltungsapparates des Generalgouvernements, ohne deren Mitarbeit die Machthaber ihre Politik in den Städten und Gemeinden nicht effektiv und effizient hätten umsetzen können. Sie wurden sowohl in kleinen Städten wie Grójec, mittelgroßen Städten wie Tschenstochau und auch in Großstädten wie Warschau eingesetzt. Bürgermeister wirkten zwischen unteren (Dorf- und Gemeindevorsteher, Polizei, Kontingentkommissionen) und oberen Verwaltungsebenen (Regierung des Generalgouvernement und Distriktgouverneure, SS, SD, Wehrmacht, Post, Ostbahn). Das Spektrum ihrer Aufgaben war breit. Es schloss neben der Beaufsichtigung von Stromkraftwerken oder Müllentsorgungsunternehmen auch die Entlassung jüdischer Mitarbeiter auf Anforderung der Regierung oder die Zusammenarbeit mit den Judenräten bzw. den deutschen Ghetto–Kommissaren ein.

Das Handeln der Bürgermeister war durch die Politik der Besatzer, die Aktionen des Widerstandes und die Erwartungen der örtlichen Bevölkerung geprägt. A priori kann nicht davon ausgegangen werden, dass polnische Bürgermeister mit den deutschen Machthabern aus politischer Überzeugung zusammenarbeiteten. Obwohl relativ viele Bürgermeister ihre Aufgaben vorbildlich und gewissenhaft erledigten, standen sie den deutschen Besatzern grundsätzlich kritisch gegenüber bzw. betrachteten sie nicht als ihre Freunde. Ihr Handeln war durch verschiedene Faktoren bedingt, bei denen die Repressionen der Widerstandsorganisationen und das Wohlergehen der polnischen (und viel seltener auch der jüdischen) Bevölkerung eine wichtige Rolle spielten. Aufgrund ihrer Aufgaben waren sie an der Durchführung von Maßnahmen, die sowohl gegen Polen als auch gegen Juden und andere ethnische Gruppen wie die Roma gerichtet waren, involviert, und sie widersetzten sich ihnen nur in wenigen Ausnahmefällen.

Am Beispiel von zwölf gezielt gewählten Bürgermeistern soll gezeigt werden, wie sie mit den Besatzern zusammenarbeiteten, sich im Holocaust verhielten, ihre Gemeinden verwalteten und wie ihr Verhältnis zu der Widerstandsbewegung war. Das Hauptziel des Projektes ist, die politische Gesamtbreite ihres Verhaltens an konkreten Beispielen zu analysieren.

Institution

Prof. Arnd Bauerkämper

FB Geschichts- und Kulturwissenschaften, Freie Universität Berlin
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