Ornament, Zeichen und Raum. Zur Konstruktion von Identität in nordspanischen Handschriften des 10.-12. Jahrhunderts

Gegenstand sind die durch Ornamente und Zeichen geprägten Eröffnungs- und Schlußseiten nordspanischer Handschriften aus den Gebieten, die die christlichen Reiche auf der Iberischen Halbinsel dem muslimischen Al-Andalus im 9./10. Jhd. abgerungen hatten.
Information

Bewilligung

Juni 2012

Laufzeit

1 Jahr - Verlängerungszeitraum

Fördersumme

74 Tsd. €

Förderbereich

Querschnittbereich "Bild und Bildlichkeit"
Information

Zentrale Frage ist, welchen Beitrag die Illuminationen zur Herausbildung von Identität in einer Region leisteten, die durch stete Verschiebung von politischen Grenzen geprägt war und deren Reorganisation gerade jene Klöster übernahmen, in denen die hier zu untersuchenden rund 30 Codices entstanden.

Dabei wird zunächst geklärt, in welcher Tradition die einleitenden und beschließenden Gestalttypen stehen, die im Vergleich zur zeitgleichen europäischen Buchtradition einzigartig sind. Ferner interessiert, welche Deutungsangebote sich mit ihrer Einbindung in den Handschriftenzusammenhang ergeben. So folgen etwa die durch Beischriften als Schutzzeichen charakterisierten ganzseitigen Kreuze einer älteren Tradition, sakrale und profane Gebäude zu beschirmen. Innerhalb der Manuskripte lässt sich der Schutz sowohl auf die damit zugleich aufgewerteten Texte als auch auf die für die Handschriftenproduktion verantwortlichen Personen sowie die Rezipienten selbst beziehen. Folglich stehen die sich anschließenden vielfarbigen Buchstabenlabyrinthe mit ihren Schreiber- sowie Besitzereinträgen im Dienst der durch den Rezipienten zu erbringenden Memoria. Andererseits tragen auch sie zur Aufwertung des Textes bei, indem durch das Wechselspiel von Buchstabe und Ornament, Lesbarkeit und Unleserlichkeit auf dessen Komplexität verwiesen und das richtige Textverständnis eingefordert wird. Damit verbunden ist die Frage, wie und mit welchen Deutungsangeboten die zu untersuchenden Illuminationen Vorstellungen von Raum reflektieren. Daraus sind Anhaltspunkte für ein theoretisches Verständnis von Buch zu erwarten, das als Bezugspunkt für weiterführende Diskussionen um den Stellenwert früh- und hochmittelalterlicher Buchgestaltung dienen könnte.

In Kooperation mit dem Archäologischen Institut der Universität zu Köln (Datenbank Arachne) wird parallel eine Bilddatenbank zu spanischen Codices des 10. bis 12. Jahrhunderts erarbeitet, deren Basis ein Diapositiv-Bestand des Deutschen Archäologischen Instituts in Madrid bildet.

Nähere Informationen finden Sie hier:
http://www.uni-koeln.de/phil-fak/khi/Boese/projekt.html

Institution

Dr. Kristin Böse

Kunsthistorisches Institut, Universität zu Köln
Webseite

Projekte aus dem Förderbereich Querschnittbereich "Bild und Bildlichkeit"