Microinsurance & Peer Effects

Das Projekt widmet sich der Untersuchung von Mikroversicherungen, d. h. Versicherungen, die gezielt Menschen mit niedrigem Einkommen, vor allem in Entwicklungsländern, vor diversen Risiken schützen.
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Bewilligung

Juni 2012

Laufzeit

3 Jahre

Fördersumme

85 Tsd. €

Förderbereich

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Während in westlichen Ländern Versicherungen selbstverständlich verfügbar sind, werden kommerzielle Versicherungsprodukte in den meisten Entwicklungsländern bisher kaum angeboten. Obwohl Prämien und Deckungssummen von Mikroversicherungen aus Sicht der Versiche-rungsunternehmen als äußerst gering betrachtet werden könnten, ist der Nutzen dieser Produkte für die Versicherten gleichzeitig beachtlich: Gerade in Entwicklungsländern sind die Menschen multiplen Risiken ausgesetzt, die zu kleinen Beiträgen individuell kalkulierbar gemacht werden könnten. Die Auswirkungen von Krankheiten, Unfällen oder Naturkatastrophen auf das oft nur unregelmäßige Einkommen führen sonst schnell zu finanzieller Armut von Familien oder verstärken die ohnehin bereits bestehende Armut.

Trotz der vielen positiven Erwartungen an die nachhaltige Wirkung der Produkte ist die tatsächliche Nachfrage nach Mikroversicherungen aber ernüchternd gering. Die Entscheidung, sich zu versichern, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, darunter aktuarische Merkmale, Risiko- und Zeitpräferenzen, Vertrauen und Verständnis von Finanzprodukten. Hypothetisch vergleichbar bedeutsam sind aber auch der Einfluss des sozialen Umfelds und insbesondere die Versicherungsentscheidungen von Familien, Freunden und Bekannten, die sogenannten „Peer Effekte“. Worin die Wirkung von Peer Effekten begründet liegt, ist aber bisher weitgehend unerforscht geblieben. Noch weniger ist bekannt, wie Peer Effekte insbesondere die Akzeptanz von Mikroversicherungen beeinflussen können.

Das Projekt setzt an dieser Forschungslücke an und analysiert, wie soziale Netzwerke als Schlüsselfaktor zum Erfolg von Mikroversicherungen beitragen können. Dabei werden erstmals Peer Effekte als mögliche Mechanismen herangezogen und sowohl für die Versicherungsnachfrage im Allgemeinen als auch im Kontext unterschiedlicher Kulturen untersucht. Dabei soll u.a. die Frage beantwortet werden, ob die Versicherungsentscheidung Dritter tatsächlich die individuellen Kaufentscheidungen beeinflusst. Durch welche Dynamiken und Mechanismen kann die Existenz von Peer Effekten überhaupt erklärt werden und sind Peer Effekte abhängig von den sozialen Rollen und der Risikostruktur innerhalb sozialer Netzwerke?

Das Projekt gliedert sich in vier aufeinander aufbauende Studien und basiert auf den Methoden der empirischen und experimentellen Wirtschaftsforschung.

Die erste Studie untersucht in Form eines Laborexperimentes, ob Peer Effekte im Zusammenhang mit Versicherungsentscheidungen tatsächlich auftreten und, wenn ja, wodurch sie verursacht werden.

Die drei weiteren Studien, die in Mlabe, einer ländlichen Region Ugandas durchgeführt werden, untersuchen, wie Peer Effekte die Nachfrage nach Mikroversicherungen in einem realen Umfeld beeinflussen. Die zweite Studie repliziert dazu zunächst das Laborexperiment mit Haushalten aus der Region, wobei die Beobachtungen zusätzlich in einen direkten Zusammenhang mit tatsächlichen Kaufentscheidungen gesetzt werden. Die dritte Studie betrachtet den Einfluss von Rollen innerhalb sozialer Netzwerke auf die Entfaltung von Peer Effekten und setzt damit eine eingehende Analyse der lokalen Strukturen voraus. Die vierte Studie wird ebenfalls als Feldexperiment durchgeführt und begleitet die langfristige Entwicklung von Kaufentscheidungen. Dabei werden verschiedene Strategien getestet, um die Nachfrage nach Mikroversicherungen zu steigern.

Institution

Dr. Marta Serra-Garcia

Department of Economics, Ludwig-Maximilians-Universität München
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