Kritische Edition und Kommentar des sog. „Konvents-" und des sog. „Schwesternbuchs“ von St. Katharina in St. Gallen

Beide Bücher bieten reichhaltiges Quellenmaterial für die kirchen- und klostergeschichtliche Forschung und im Weiteren für literatur-, sprach-, sozial- und kulturgeschichtliche Betrachtungen.
Information

Bewilligung

Februar 2013

Laufzeit

2 Jahre

Fördersumme

154 Tsd. €

Förderbereich

Geschichte, Sprache & Kultur
Information

1483 verpflichtete sich der Dominikanerinnen-Konvent St. Katharina in St. Gallen unter dem Priorat von Angela Varnbühler (Priorin 1476-1509) zur strengen Einhaltung der Ordensregeln (Observanz). Das Projekt zielt auf eine erste vollständige, kritische Edition und Kommentierung zweier Manuskripte, die unter Varnbühlers Priorat initiiert wurden: des 1476 begonnenen „Konventsbuchs“ und des ab 1483 geführten „Schwesternbuches“. Beide Handschriften befinden sich im Archiv des Dominikanerinnenklosters St. Katharina in Will.

Das „Konventsbuch“ dokumentiert auf 187 voll beschriebenen Folios über 50 Jahre – 1476-1528 (bis zur Aufhebung des Klosters) – detailliert und chronologisch Daten und Fakten, welche die Ökonomie des Klosters betreffen: den Grunderwerb des Konvents, Zinseinnahmen, Erbschaften, Stiftungen, Mitgifte, Umstände und Aufwendungen beim Erwerb von Privilegien und Ablässen; Kosten für Kirchenausstattung, liturgische Gewänder, architektonische Veränderungen; Herstellungsdauer und -kosten einzelner Kodizes etc. Zudem finden sich viele Informationen zu lokalpolitischen Verbindungen des Klosters, zur sozialen Herkunft der Schwestern sowie von der Forschung vielfach zitierte biographische Angaben zu Angela Varnbühler.

Das „Schwesternbuch“ wertet v.a. den Briefverkehr systematisch aus, den die St. Galler Priorinnen mit dem Schwesterkloster St. Katharina in Nürnberg – im 15. Jahrhundert ein Zentrum der Ordensobservanz im süddeutschen Raum – unterhielten, um sich bei der Einhaltung der Observanz beraten zu lassen. Es umfasst 292 oft nur teilweise beschriebene Folios und gliedert sich in drei Teile, die durch ein Register verbunden sind. Der erste Teil dokumentiert die Geschichte des Klosters durch Regesten der Freiheitsbriefe, die es seit seiner Gründung 1228 erwarb. Dann folgen 25 Abschriften von Briefen aus dem Katharinenkloster, die im umfangreichsten dritten Teil des „Schwesternbuchs“ v. a. zu drei Themenbereichen ausgewertet werden: zur Liturgie der Festtage, zu den Sakramenten und dem klösterlichen Tagesablauf, zu den Klosterämtern und –ständen.

Da beide Bücher nicht nur näherungsweise zeitgleich entstanden, sondern durch zahlreiche inhaltliche und formale Querverweise (z. T. gleiche Schreiberhände oder wörtlich wiederholte Passagen) eng verstrebt sind, sollen sie gemeinsam ediert werden.

Die Einleitung der Ausgabe soll die beiden Textzeugen ausführlich vorstellen, paläographische und sprachliche Besonderheiten beschreiben und ihre Entstehung historisch kontextualisieren. In einzelnen Fachbeiträ-gen sollen die Bücher zudem als kunst-, musik- bzw. liturgiegeschichtliche und bibliothekswissenschaftliche Quellen gewürdigt werden.

Institution

Prof. Jens-Dieter Haustein

Institut für Germanistische Literaturwissenschaft, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Webseite

Prof. Achim Hack

Historisches Institut, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Webseite

Projekte aus dem Förderbereich Geschichte, Sprache & Kultur

Tagung: Gedenktagung für Jurij Striedter »Perspektiven des Formalismus« +

Tagung: The Textile Centre Akhmim-Panopolis (Egypt) in Late Antiquity. Material evidence for continuity and change in society, religion, industry and trade +

Tagung: Shifting Borders, Blurred Boundaries: Global Cultural Encounters Between the Material and Immaterial +

Tagung: 9. Deutsche Papyrologentag »Antike Texte aus dem Wüstensand und die moderne digitale Welt oder Papyruskunde als Einzelforschung – Projektforschung – Verbundforschung im digitalen Zeitalter« +