Ikonische Formprozesse. Ein „missing link" zwischen Natur- und Kulturtheorie

Ziel ist es, die „ikonische Form“ als jenes entscheidende Element zu bestimmen, von dem aus eine umfassende, natürliche und kulturelle Gestaltungsformen gemeinsam erörternde Philosophie der Form entwickelt werden kann.
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Bewilligung

Juli 2013

Laufzeit

2 Jahre

Fördersumme

Förderbereich

Querschnittbereich "Bild und Bildlichkeit"
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Ästhetik in traditionellem weiten Sinne ist durch eine fundamentale Ambiguität gekennzeichnet. Sie ist subjektbezogene Wissenschaft der Wahrnehmung und objektbezogene Wissenschaft der Form. Durch den Ausgang von der ästhetischen Welterschließung stehen gegenwärtig Ansätze zur Debatte, welche die menschliche Verkörperung in den Mittelpunkt stellen und durch die empirische Forschung lange ignoriert wurden. Beachtung findet der verkörperte und sensomotorische Weltzugang insbesondere in der Forschung zur Embodied Cognition. Programmatisch könnte dieser Forschungslage Spinozas Diktum vorangestellt werden: „Was freilich der Körper alles vermag, hat bis jetzt noch niemand festgestellt“. Die hier jedoch häufig anzutreffende Fokussierung auf das Bewusstsein, welche die Forschungen zu den Grundlagen der Kognition beherrscht, führt zu einer Verengung des Blickwinkels.

Das Forschungsvorhaben „Ikonische Formprozesse“ sucht daher kulturalistische und naturalistische Perspektiven in der Erforschung der leiblichen und affektiv-emotionalen Möglichkeitsbedingungen symbolischer Formung in einer integralen Verkörperungstheorie zu verbinden. Mit „ikonischen Formen“ sind Übergangsfelder semiotischer Prozesse gemeint, die auf der physiologischen Ebene ihren Ausgang nehmen und stabile Bezugnahmen ermöglichen. Forschungsgegenstand ist dabei jenes Feld der Ästhetik, in dem die Bereiche von Kunst und Psychosomatik mithilfe von Theorien der menschlichen Verkörperung vermittelt werden können.

Die Forschungslage bietet der Philosophie die Möglichkeit, die im 20. Jahrhundert „getrennten Wege“ (M. Friedman) von analytisch-logischen und existentiell-phänomenologischen Richtungen in konkreten Fragestellungen sich kreuzen und verbinden zu lassen und die Kluft, welche die Philosophie und Wissenschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark geprägt hat, durch die lange Zeit ignorierte holistische Alternative einer ästhetisch fundierten Symbolphilosophie bzw. Semiotik zu überbrücken.

Die Mitglieder der Forschergruppe leisten dazu Grundlagenarbeit an verkörperungstheoretischen Modellen (Charles Sanders Peirce, Ernst Cassirer, Edgar Wind), wobei der Untersuchung enaktiver und prozessphilosophischer Beschreibungsweisen von Übergängen eine besondere Rolle zukommt.

Konkretisierungen erfolgen durch Untersuchungen zur ästhetischen Erfahrung als Methode der Erforschung bildaktiver Prozesse sowie durch Studien, die den Einsatz ikonischer Vermittlungsformen in körperpsychotherapeutischen Kontexten analysieren. In kunsthistorischen Studien werden Bildwerke im Hinblick auf Prozesse körperlicher Interaktion zwischen Mensch und Artefakt analysiert. Das Verhältnis zwischen produktions-, werk- und rezeptionsästhetischen Prozessen wird besonders in Untersuchungen zu Erfahrungen von Formlosigkeit auf die Probe gestellt. Konstruktionen und Erfahrungen von Formlosigkeit bilden über alle disziplinären Grenzen hinweg ein gemeinsames Feld für die verschiedenen Analysen, da in diesen Phänomenen ex negativo Erfahrungen des Konkreten vorliegen und sich der Prozesscharakter ikonischer Formen offenbart.

Mit den zu erwartenden Forschungsergebnissen möchte die Forschergruppe um Prof. Bredekamp Impulse für eine grundlegende Neukonzeption von Ästhetik, Semiotik und Ikonologie geben.

Nähere Informationen finden Sie hier:

http://bildakt-verkoerperung.de/zielsetzungen/

Institution

Prof. Horst Bredekamp

Institut für Kunst- und Bildgeschichte, Humboldt-Universität zu Berlin
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