Gesundheits- und Arbeitsmarkteffekte häuslicher Pflege in Deutschland – Empirische Analysen einer besonderen Herausforderung des demografischen Wandels

Mehr als eine Million Pflegebedürftige werden in Deutschland ausschließlich von ihren Angehörigen betreut, in der Mehrzahl von Frauen im Alter zwischen 35 und 70 Jahren.
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Bewilligung

Juni 2012

Laufzeit

2 Jahre

Fördersumme

80 Tsd. €

Förderbereich

Staat, Wirtschaft & Gesellschaft
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Die pflegenden Angehörigen stehen entweder für die Zeit der Pflege dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung oder sie bürden sich eine starke Doppelbelastung aus gleichzeitiger Pflege und Berufstätigkeit auf. Diese Doppelbelastung ist sowohl physischer als auch psychischer Natur und könnte den Gesundheitszustand der Pflegenden beeinträchtigen. Es ist daher zu vermuten, dass die Bereitstellung von häuslicher Pflege in beiden Fällen mit direkten Kosten verbunden ist. Entweder als Einkommensverlust bei Verlassen des Arbeitsmarktes oder als mögliche Gesundheitsbeeinträchtigung bei Verbleiben am Arbeitsmarkt.

Dass diese direkten Kosten in der öffentlichen Debatte kaum angeführt werden, liegt vermutlich daran, dass der Wissensstand darüber bislang sehr gering ist. Mögliche Gesundheitsbeeinträchtigungen durch Pflegeleistung sind kaum erforscht und quantifiziert. Der demografische Wandel erfordert aber eine größere Bereitstellung von Angehörigenpflege und erhöht gleichzeitig die Notwendigkeit, auf dem Arbeitsmarkt zu verbleiben. Für die Weiterentwicklung der Pflegeversicherung, aber auch die mögliche Entwicklung flexiblerer Formen der Arbeitsgestaltung in Deutschland, ist empirische Evidenz über die Auswirkungen häuslicher Pflege auf die Pflegenden also dringend erforderlich.

Diese Forschungslücke soll durch das Projekt geschlossen werden, indem es die vermuteten Effekte der häuslichen Pflege in Deutschland mit mikroökonometrischen Verfahren quantifiziert und so zu evidenzbasierten Politikempfehlungen gelangt.
 
Konkret werden drei Fragen untersucht. Erstens, ob die Bereitstellung häuslicher Pflege bei gleichzeitiger Arbeitsmarktpartizipation gesundheitliche Probleme verursacht und wenn ja, in welcher Größenordnung? Wie hängen mögliche Gesundheitseffekte von der Dauer der Pflege ab? Zweitens werden die Rolle der Doppelbelastung untersucht und eventuellen Problemen nachgegangen, die kurzfristig oder erst nach vielen Jahren auftreten. Drittens soll die Frage beantwortet werden, wie die Arbeitsmarktchancen von Personen aussehen, die der Doppelbelastung aus dem Weg gehen und für eine gewisse Zeit ihre Arbeit niederlegen. Haben sie die Möglichkeit, wieder in den Arbeitsmarkt einzutreten?

Alle Fragen werden empirisch mit großen, repräsentativen Mikrodatensätzen (SOEP und Survey of Health Aging and Retirement – SHARE) für Deutschland untersucht.

Institution

Prof. Hendrik Schmitz

Juniorprofessur für Gesundheitsökonomik, Universität Duisburg-Essen
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