Die Re-Organisation wirtschaftlicher Interessen. Institutionelle Anpassung der Verbände in Antwort auf neue Herausforderungen

Wirtschaftsverbandssysteme stehen derzeit unter erheblichem Anpassungsdruck von außen, wie z. B. durch die Dynamik der technologischen Innovationen, Veränderungen in den Marktstrukturen der Unternehmen und der Intensivierung der politischen Regulierung.
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Bewilligung

Februar 2015

Laufzeit

2 Jahre

Fördersumme

Förderbereich

Staat, Wirtschaft & Gesellschaft
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Die Art und Weise, wie Interessen in Gesellschaft und Politik zur Geltung gebracht und ausgehandelt werden, hängt im Wesentlichen davon ab, wie diese Interessen organisiert sind. Thema des Projektes ist deshalb die Organisation und Re-Organisation kollektiver Interessen am Beispiel der Veränderung der deutschen Wirtschaftsverbände und -verbandssysteme. In der Interessengruppenforschung existieren nur wenige Analysen von Verbänden aus organisationstheoretischer Sicht; die Organisation deutscher Wirtschaftsinteressen ist in diesen Untersuchungen noch völlig unberücksichtigt.

Das Forschungsprojekt verfolgt ein doppeltes Erkenntnisinteresse: Erstens wird erforscht, ob und in welchem Maße Verbände die Veränderungen ihrer Kontextbedingungen als Herausforderung wahrnehmen, welche Handlungserfordernisse sich daraus ableiten und wie sie diese umzusetzen versuchen. Zweitens wird untersucht, ob und in welchem Ausmaß die Veränderungen in der Organisation von Verbänden das Potential zum Wandel des Systems der Interessenvermittlung und somit der „Governance“ haben. Prof. Kohler geht von einer starken Interdependenz zwischen Veränderungen in den Verbandssystemen und (europäischer) „Governance“ aus.

Die Analyse der Veränderungen der Verbandsorganisation geht zunächst von einem funktionalistischen Ansatz aus, der einen Zusammenhang zwischen Kontextbedingungen und organisatorischen Anpassungen sieht. Prof. Kohler möchte jedoch über diese rein funktionalistische Logik hinaus klären, warum sich Akteure in sehr ähnlichen Situationen für unterschiedliche Reformen entscheiden. Akteure folgen etwa auch einer institutionellen, instrumentellen sowie normativen Handlungsrationalität. In der Analyse werden die institutionellen Strukturen, wie z. B. Organisationsmodelle und Mitgliederstrukturen sowie das Geschäftsmodell des jeweiligen Verbandes untersucht. Welches Gewicht wird auf Interessenvertretung gegenüber Politik und Gesellschaft, Dienstleistungsfunktionen, Mitgliederbetreuung und Marktlobbying gelegt? Zudem werden die normativen Erwartungen im Spannungsbogen zwischen der Nützlichkeit des Verbandes für das eigene Unternehmen und einer Identifizierung der Akteure mit dem gemeinsamen Verbandsinteresse einbezogen.

Institution

Prof. Beate Kohler-Koch

Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung, Universität Mannheim
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