Die Privatschüler Johann Sebastian Bachs (1707-1750)

In Vorarbeiten konnten bereits rund einhundert Clavier-, Orgel- und Kompositionsschüler ermittelt werden, zu denen relevante und zum großen Teil noch unerschlossene Quellen erhalten geblieben sind.
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Bewilligung

Juni 2015

Laufzeit

2 Jahre

Fördersumme

Förderbereich

Geschichte, Sprache & Kultur
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Da die Zahl der Bach-Dokumente trotz intensiver Forschung klein und ihr Aussagewert zudem sehr begrenzt ist, lassen sich neue Erkenntnisse zu Leben und Werk des Komponisten nur durch eine Erweiterung der Quellenbasis gewinnen. Mit einem neuartigen methodischen Ansatz stellt sich die Studie dieser Herausforderung, indem sie mit Bachs Clavier-, Orgel- und Kompositionsschülern eine Personengruppe in den Blick nimmt, die zum engsten Umkreis des Thomaskantors gehörte. So hat Carl Philipp Emanuel Bach dem ersten Bach-Biographen berichtet, dass der Haushalt seines Vaters nicht nur wegen der großen Familie, sondern auch wegen der stets präsenten Privatschüler „einem Taubenhause und dessen Lebhaftigkeit vollkommen geglichen“ habe.

Im Rahmen der Studie geht es erstmals darum, systematisch nach erhaltenen Schriftzeugnissen zu Bachs Privatschülern zu fahnden. Diesen Zeugnissen kommt vor allem deswegen große Bedeutung zu, weil Bach selbst, „kaum zu der nöthigsten Correspondenz Zeit“ gefunden habe, jedoch „desto mehr Gelegenheit hatte, sich mit braven Leuten mündlich zu unterhalten“ (Carl Philipp Emanuel Bach). Zwar hat es in der Vergangenheit bereits ertragreiche Einzelstudien zu wichtigen Bach-Schülern gegeben, doch blieb der Fokus stets auf einen kleinen Personenkreis beschränkt. In Vorarbeiten konnten bereits rund einhundert Schüler ermittelt werden, zu denen relevante und zum großen Teil noch unerschlossene Quellen erhalten geblieben sind und anhand derer sich möglicherweise neue Datierungsvorschläge für einige Kompositionen Bachs ableiten lassen. Darüber hinaus geben sie Auskunft über Bachs Unterrichts- und Aufführungspraxis, wie etwa die Briefe von Philipp David Kräuter, der vom Augsburger Stadtrat ein Stipendium bei Bach bekommen hatte und der seinem Patron regelmäßig über den Fortgang der Studien Rechenschaft ablegen musste. Andere Quellen informieren indirekt über Bachs Vorstellungen zum Orgelbau, da viele seiner Schüler selbst Organisten wurden und defekte oder neu gebaute Orgeln zu begutachten hatten. Anhand von historischen Archivalien und originalen Aufführungsmaterialien rund um die von Bach-Schülern geleiteten Hofkapellen sollen zudem neue Aussagen zur höfischen Musikpraxis des 18. Jahrhunderts gesammelt und im historischen Kontext ausgewertet werden.

Die Quellen werden im Bach-Archiv zunächst ausgewertet, um sie anschließend für weitere Forschungen nutzbar zu machen. Zudem ist eine Edition der „Dokumente zur Aufführungspraxis der Bach-Zeit“ in Buchform geplant, die zentrale Quellentexte zu Bach als Lehrer, zu seiner Aufführungspraxis und zur höfischen bzw. städtischen Musikpraxis in Bachs Umfeld versammelt und kommentiert.

Institution

Prof. Peter Wollny

Bach-Archiv Leipzig
Webseite

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