Der ‚Hirt des Hermas‘ – Neuedition des griechischen Textes

Mit der Neuedition wird eine verlässliche Textgrundlage entstehen, die es erlaubt, die Tradition des „Hirten“ und die Geschichte seiner kulturellen und religiösen Rezeption in den verschiedenen Epochen seiner Wirkungsgeschichte zu untersuchen.
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Bewilligung

Juni 2015

Laufzeit

1 Jahr (Verlängerungszeitraum)

Fördersumme

Förderbereich

Geschichte, Sprache & Kultur
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Im Zuge der Kanonisierung des Neuen Testaments und bei der Erstellung der Liste heiliger Schriften, bekannt als Kanon Muratori, verloren einige Texte, die bis dahin zwar weitverbreitet waren, aber als nicht von Gott inspiriert angesehen wurden, ihre liturgische und pädagogische Relevanz. Solche Texte sind beispielsweise der Brief des Ignatius von Antiochien an die Smyrnäer, der Barnabasbrief und der Brief des Polykarp an die Philipper; sie sind heute Teil der apokryphen Literatur und gewähren einen Einblick in das Gemeindewesen des frühen Christentums. Unter diesen apokryphen Textzeugen ragt der „Hirt des Hermas“ durch seine spezifische Texttradition heraus.

Der „Hirt des Hermas“ ist eine apokalyptische Schrift, die im zweiten nachchristlichen Jahrhundert entstand. Sie besteht aus fünf Visiones, zwölf Mandata und zehn Similitudines. Der Text mahnt zur Umkehr, thematisiert die Buße begangener Sünden und fordert dazu auf, die letzte Möglichkeit der Buße vor dem Untergang der Welt zu ergreifen. Der „Hirt des Hermas“ wurde recht bald ins Lateinische übersetzt, außerdem ins Koptische, Äthiopische, Georgische und Pahlavi. Somit fand der „Hirt des Hermas“ offenbar eine weite Verbreitung. Tatsächlich ist er heute in mehr Papyri präsent als beispielsweise die Offenbarung des Johannes.

Obwohl der griechische Text des „Hirten“ in einer Reihe von Editionen vorliegt (u.a. O. de Gebhardt und A. von Harnack, 1877, A. Hilgenfeld, 1881, K. Lake, 1946, M. Whittaker, 1956, M. Leutzsch, 1998, und zuletzt B.D. Ehrman, 2003), soll eine Neuedition erfolgen, die neuentdeckte, bisher unbekannte griechische Textzeugen (Codex Athros Lavra K.96, die „neuen“ Seiten des „Sinaiticus“ und die drei Oxyrhynchus-Papyri) und den „neuen“ Text der Vulgata-Übersetzung miteinbezieht, da diese wegen ihrer zeitlichen Nähe zum „Hirten des Hermas“ und ihrer Übersetzungsgenauigkeit von zentraler Bedeutung für die constitutio textus ist.

Institution

Prof. Christian Tornau

Institut für Klassische Philologie, Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
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