Der EU-Binnenmarkt und sein Einfluss auf die Beschäftigungs- und Lohndynamik: Welche Rolle spielen Arbeitsmarktrigiditäten? Quasi-Experimentelle Evidenz für Deutschland

Es werden die kausalen Effekte der Integration der europäischen Gütermärkte auf Löhne und Beschäftigung in der produzierenden Industrie und im Dienstleistungssektor in Deutschland untersucht.
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Bewilligung

Juni 2012

Laufzeit

2 Jahre

Fördersumme

100 Tsd. €

Förderbereich

Staat, Wirtschaft & Gesellschaft
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Vor dem Hintergrund der zunehmenden Integration der europäischen Gütermärkte verfolgt Dr. Nicole Gürtzgen das Ziel, den Einfluss des EU-Binnenmarktes auf die Anpassungsprozesse auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu untersuchen. Besonderes Augenmerk gilt der Frage, welche Bedeutung unterschiedliche Formen der Tarifbindung für die Reaktion von Löhnen und Beschäftigung auf den Integrationsprozess haben.

Obwohl sich eine Vielzahl von Studien mit den Arbeitsmarkteffekten internationalen Handels befasst hat, weist die bestehende Literatur noch Defizite auf. Dr. Gürtzgen möchte diese mit einer empirischen Studie ausgleichen, die die kausalen Effekte der Integration der europäischen Gütermärkte auf Löhne und Beschäftigung in der produzierenden Industrie und im Dienstleistungssektor in Deutschland untersucht. Dabei wird den heterogenen Effekten der verschiedenen Arbeitsmarktinstitutionen für unterschiedliche Firmen und für unterschiedliche Beschäftigungsarten besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Dr. Gürtzgen hat dazu ein quasi-experimentelles Untersuchungsdesign gewählt, das sich eine exogene Variation des Ausmaßes der Gütermarktintegration zu Nutze macht. Es wird die EU-Osterweiterung im Jahre 2004 untersucht, die einen exogenen Integrationsschock mit unterschiedlicher Betroffenheit erstens für unterschiedliche produktive Unternehmen und zweitens für Unternehmen in grenznahen bzw. -fernen Regionen darstellt. Mit Hilfe dieses Designs wird untersucht, welche Rollen unterschiedliche Formen der Tarifbindung und die hierdurch bestimmte Flexibilität von Löhnen für die Fähigkeit von Unternehmen und Beschäftigten spielen, sich an die veränderten Bedingungen des internationalen Wettbewerbs anzupassen. Hier wird u.a. die Hypothese überprüft, dass Arbeitsmarktinstitutionen wie Tarifverträge und die Anwesenheit von Betriebsräten die relative Bedeutung von Lohn- und Beschäftigungseffekten im Zuge exogener integrationsbasierter Nachfrageschocks nachhaltig und rigide beeinflussen. So können sich beispielsweise die mit kollektiv etablierten Kündigungsschutzmechanismen einhergehenden Kosten einer Kündigung für bestimmte, bspw. ältere Arbeitnehmer limitierend auf die Einstellungspolitik gerade solcher Betriebe auswirken, die in besonderem Maße für exogene Schocks des integrierten Gütermarktes empfänglich sind.

Im Gegensatz zu bisherigen Studien greift das Projekt auf eine breite Datenbasis zurück. Es handelt sich um administrative Daten der Bundesagentur für Arbeit, die Beschäftigtenstichprobe des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB sowie dessen Linked-Employer-Employee Datensatz (LIAB).

Institution

Priv.-Doz. Dr. Nicole Gürtzgen

Arbeitsmärkte, Personalmanagement und Soziale Sicherung, Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim
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