Geschichtswissenschaften
Die Geschichtswissenschaft hat in den letzten Jahrzehnten national wie international eine außerordentliche Ausweitung erfahren, sachlich wie methodisch. An die Seite der politischen Geschichte, der Geistesgeschichte, der Wirtschafts- und Sozialgeschichte ist die Geschichte der materiellen Kultur des Alltags, der Mentalitäten und Medien getreten, an die Seite der Geschichte der Nationen, der Epochen, übergreifender Strukturen die der Regionen, der Städte, einzelner sozialer Gruppen, an die der Makro- die sogenannte Mikrogeschichte. Und dieser Ausweitungs- und Differenzierungsprozess bis hin zur disziplinären Verselbständigung – daher setzt man die Fachbezeichnung auch zunehmend in die Mehrzahl – wurde begleitet von einer Fülle methodischer Neuansätze und Perspektivenwechsel, die ihren ursprünglichen Gegenstand nicht selten überschritten, weiterreichende Geltungsansprüche erhoben.
Die Fritz Thyssen Stiftung steht Förderungsanträgen aus allen Bereichen der Geschichtswissenschaften offen. Sie hat dabei in der Vergangenheit der Geschichte Mittel- und Osteuropas sowie der Wirtschafts- und Sozialgeschichte eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet und möchte dies auch weiterhin tun. Gleichzeitig ist die Stiftung an einer neuen Schwerpunktbildung interessiert: Sie lädt zu Förderungsanträgen ein, deren Projekte sich mit dem Wandel der Lebensbedingungen im Übergang von der traditionalen zur modernen Gesellschaft, also vom 18. zum 20. Jahrhundert befassen und deren Auswirkungen auf unterschiedliche Lebensbereiche untersuchen, die von der Alltagswelt über die Gesellschaft und Politik bis hin zur Veränderung der Mentalitäten und der Weltbilder reichen.
