Ökonomische Ergebnisgrößen wie Wertschöpfung oder Beschäftigung sind Resultate unzähliger einzelner Entscheidungen einer Vielzahl unterschiedlicher Akteure in vielfältigen Lebensbereichen. Aufgabe der Wirtschaftswissenschaften ist es, die hinter diesen Entscheidungen und Ergebnisgrößen stehenden Zusammenhänge aufzudecken, deren Dynamiken zu entschlüsseln und zu erklären und somit mögliche Ansatzpunkte für eine geeignete Gestaltung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen für ökonomische Entscheidungen aufzuzeigen.

In besonderem Maße herausfordernd ist diese Aufgabe aufgrund des unaufhörlichen Wandels der Rahmenbedingungen. Phänomene wie die Digitalisierung und die Globalisierung sowie ihre wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Konsequenzen sind noch weit davon entfernt, erschöpfend verstanden und erklärt zu sein. Nichtsdestoweniger erfordern gerade solche großen gesellschaftlichen Herausforderungen einen soliden Kompass für aktuelles wirtschaftspolitisches Handeln. Die beste Basis für diese Richtschnur bilden Erkenntnisse zu den tatsächlichen Wirkungen wirtschaftspolitischer Leitplanken und möglicher zielgerichteter Maßnahmen.

Die Identifikationen von Kausalzusammenhängen stellt die Wissenschaft angesichts des komplexen Zusammenwirkens vielschichtiger menschlicher Handlungen und anderer Faktoren dabei häufig vor besondere Herausforderungen. Noch dazu kann die empirische Forschung zu Ursachen und Wirkungen in den Sozialwissenschaften häufig nur einem nicht-experimentellen Studiendesign folgen. Aktuelle Methoden der empirischen Wirtschaftsforschung, der Ökonometrie und nicht zuletzt der experimentellen Ökonomik bieten jedoch ein umfangreiches Spektrum an Werkzeugen an, um diesen Identifikationsproblemen zu begegnen.

Vor diesem Hintergrund fördert die Fritz Thyssen Stiftung die Erforschung noch nicht ausreichend verstandener wirtschaftlicher Zusammenhänge und deren Konsequenzen für Wirtschaft, Gesellschaft und das politische System. Im Mittelpunkt der Förderung stehen empirisch angelegte Projekte mit überzeugenden Strategien zur Identifikation von Kausalzusammenhängen. Inhaltlich werden dabei gleichermaßen die Untersuchung grundlegender ökonomischer Fragestellungen wie auch die Evaluation konkreter Einzelmaßnahmen unterstützt. Entscheidend sind die gesellschaftliche Relevanz und der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn der Forschungsarbeit.

Überlappungen mit Nachbardisziplinen wie der Sozial-, Rechts- oder Politikwissenschaft liegen in der Natur der Wirschaftswissenschaften. Interdisziplinäre Forschungsprojekte sind daher gleichermaßen förderberechtigt wie ausschließlich ökonomische Forschungsprojekte.