Seit ihrer Entstehung versteht sich die Soziologie als Schlüsseldisziplin der modernen Industriegesellschaft. Der Wandel der Industriegesellschaft stellt die Soziologie daher vor besondere Herausforderungen. Die Fritz Thyssen Stiftung möchte in dieser Umbruchperiode insbesondere sozialwissenschaftliche Forschungsvorhaben fördern, die den Wandel von der Arbeits- zur Wissenschaftsgesellschaft zum Thema haben und Ausblicke auf künftige Entwicklungen der Industriegesellschaft eröffnen. Dieser Wandel soll in all seinen Auswirkungen untersucht werden, die nicht nur die Arbeitswelt, sondern beispielsweise auch biographische Karrieren, Veränderungen familialer Strukturen und Umbrüche der Mentalitäten sowie Innovationen der Lebensstile und der Lebensführung betreffen. Dazu gehören Untersuchungen zu neuen Formen der Erwerbsarbeit und der Berufswege ebenso wie Wandlungen traditioneller Biographiemuster und des Freizeitverhaltens. Von Bedeutung wären Analysen zum Wandel der Geschlechterbeziehungen, die sich durch den Wertzuwachs bestimmter Tätigkeitsfelder ergeben (Kindererziehung, Altenpflege, Betreuungsaktivitäten), sowie Untersuchungen zur Veränderung der Generationenbeziehungen, die sich heute aufgrund dramatischer demographischer Umbrüche unübersehbar wandeln. Erwünscht wären Studien, die sich dem Umbau der traditionalen Arbeitsgesellschaft zur Wissensgesellschaft widmen, in der die Schaffung neuen Wissens, dessen intelligente Nutzung und schnelle Anwendung von vorrangiger Bedeutung sind. Aufmerksamkeit sollte neuen Prozessen des Lehrens und Lernens gewidmet werden, die traditionale Sozialisationsagenturen von der Schule bis zur Universität verändern; wir stehen vor entscheidenden Revisionen der Didaktik und der Curricula.

Im Bereich der Soziologie räumt die Fritz Thyssen Stiftung Projekten eine hohe Priorität ein, die unser Verständnis des sozialen Wandels in der Gegenwart mit Blick auf die Gesellschaft der Zukunft befördern könnten.