Querschnittbereich "Bild–Ton–Sprache"








Susan Hiller, Still from "Lost and Found" (Video, sound), 2016


Bilder, Töne und Sprache repräsentieren allesamt auf sinnlicher Ebene und in je unter-schiedlicher Weise kognitive Erkenntnisse. Als Medien der Generierung, der Mitteilung und der Veranschaulichung von Gefühlen und Wissen sind sie wesentliche Akteure im sozialen Verständigungs- und Selbstverständigungsprozess. Insofern sind sie häufig auch privilegierte Zeugen von historischen Wandlungen.

Während es am Ende des 20. Jahrhunderts in der Wissenschaft noch selbstverständlich war, Kultur grundsätzlich als eine Welt von diskursiven Zeichen und Sinnbezügen, mithin als Text, zu begreifen, wurde die epistemische Rang- und Bedeutungshierarchie von Sprache, Bild und Ton nach der Jahrtausendwende zunehmend in Frage gestellt. Digitale Aufzeichnungs- und Repräsentationsmodi haben die Grenzen zwischen den Medien verwischt und zu neuen Formen der Interdependenz geführt. Umso notwendiger ist es, die theoretischen Grundlagen von Bild, Ton und Sprache zu reflektieren und ihre Interferenzen und Differenzen neu zu diskutieren.

Die Fritz Thyssen Stiftung ist bestrebt, Forschungen an dieser Schnittstelle anzuregen und zu unterstützen. Im Zentrum stehen dabei grundlegende Analysen von bildlichen, akustischen und sprachlichen Erkenntnisvorgängen und Repräsentationsformen sowie Projekte zu ihrer neuen oder veränderten Verflechtung. Eine besondere Chance besitzen dabei jene Disziplinen, die – wie die Kunst-, Musik- und Sprachwissenschaften, aber auch die Philosophie – über einen differenzierten Medienbegriff verfügen, vor allem wenn sie sich den erweiterten transdisziplinären Aufgaben stellen. Willkommen sind insbesondere solche Projekte, welche die eingefahrenen Bahnen verlassen, zwischen den getrennten Wissensfeldern Verbindungen und Zusammenhänge herstellen und interfakultäre Problemstellungen ins Zentrum ihrer Untersuchung stellen. Gefördert werden u. a. auch solche Unternehmen, die sich mit der Logik der Sprache, der Töne, der Bilder und dem Verhältnis ihrer ästhetischen und kognitiven Leistungen oder der instrumentellen Rolle der jeweiligen Medien in sozialen Repräsentationsprozessen befassen.