Im Fächerkanon der Wissenschaften bilden »Theologie« und »Religionswissenschaft« mindestens in Deutschland getrennte Disziplinen. Theologie stand lange Zeit ausschließlich für christliche Theologie samt ihren exegetisch-philologischen, historischen, systematischen und praktisch-theologischen Subdisziplinen. Das Fach Religionswissenschaft schien demgegenüber in erster Linie für Religionen außerhalb des Christentums zuständig zu sein. Diese Situation hat sich durch institutionelle wie methodische Aufbrüche und Veränderungen nicht nur an deutschen Wissenschaftseinrichtungen in den letzten Jahrzehnten sehr stark verändert: Einerseits bearbeiten inzwischen auch nichtchristliche Religionen ihre Geschichte und ihre Glaubensbestände in theologischen Lehr- und Forschungseinrichtungen, zum Beispiel das Judentum und der Islam. Andererseits erfährt die Selbstwahrnehmung und Deutung aller Religionen durch die Religionswissenschaft inhaltliche und methodische Brechungen. Theologie und Religionswissenschaft bearbeiten, so gesehen, teils divergente, teils konvergente Felder, wenn sie sich der Geschichte, den Institutionen und den kulturellen wie politischen Wirkungen der Religionen zuwenden.

Die Fritz Thyssen Stiftung nimmt Anträge aus allen Bereichen der Theologie und Religionswissenschaft entgegen. Sie trägt durch ihre Förderpolitik der Breite der thematischen Felder, der Spezialisierung der Disziplinen und der Vielfalt der Methoden Rechnung. Historische Projekte wie Editionen und andere Beiträge zur Erforschung der Grundlagen sind ebenso willkommen wie Studien zur gegenwärtigen Lebenswelt der Religionen. Außerdem fördert die Stiftung Projekte, die ungeachtet der interdisziplinären Strukturen, die bereits in der Theologie und Religionswissenschaft selber liegen, auf Synergieeffekte mit weiteren Wissenschaftsdisziplinen zielen.