Das Themen- und Methodenspektrum der Geschichtswissenschaft hat in den letzten Jahrzehnten eine außerordentliche Ausweitung erfahren. An die Seite der politischen Geschichte, der Geistesgeschichte, der Wirtschafts- und Sozialgeschichte sind kulturwissenschaftliche Perspektiven getreten, an die Seite der Geschichte der Epochen und übergreifender Strukturen die der Nationen, der Regionen, der Städte, einzelner sozialer Gruppen. Hinzugekommen sind erfahrungs- und gedächtnisgeschichtliche Ansätze, neuen Auftrieb haben aber zum Beispiel auch die Medien- und die Rechtsgeschichte bekommen. Die Entstehung eines vereinten Europa führt dazu, auch für die Vergangenheit verstärkt nach europäischen Gemeinsamkeiten zu fragen; die Prozesse der Globalisierung fordern eurozentrische Sichtweisen heraus und lassen nach alternativen Möglichkeiten suchen, die Geschichte der Welt oder der Menschheit zu erzählen. Dieser thematische Ausweitungs- und Differenzierungsprozess bis hin zur disziplinaren Verselbstständigung wurde begleitet von einer Fülle methodischer Neuansätze und Perspektivenwechsel.

Die Fritz Thyssen Stiftung steht Förderanträgen aus allen Bereichen der Geschichtswissenschaft offen. Sie lädt vor allem zu thematisch oder methodisch innovativen Förderanträgen ein, deren Projekte sich mit dem Wandel von Gesellschaften befassen und die dessen Auswirkungen auf unterschiedliche Lebensbereiche untersuchen: von der Alltagswelt über soziale Institutionen bis hin zur Veränderung von Mentalitäten und Weltbildern.