Geschichte, Sprache & Kultur

Im Förderbereich "Geschichte, Sprache und Kultur" soll das Erbe der traditionellen Geisteswissenschaften gewahrt und fruchtbar weiterentwickelt werden. Trotz aller fachlichen Neukombinationen bleibt der Rückbezug auf "traditionelle" Fächer wie die Philosophie und die Theologie wichtig, die ebenfalls in Wandlungsprozessen begriffen sind, zugleich aber weiterhin erkenntnisleitende Orientierungen bieten, die allen Fächern im weiten Bereich der Geistes- und Kulturwissenschaften von Nutzen sein können.

Ein Prozess zunehmender Spezialisierung ist für die Geschichte und Gegenwart aller Fächer und Wissensbereiche kennzeichnend. Er führt fachintern immer wieder zu einem Überdenken des Wissenskanons und der Methoden, die in einer Disziplin als verbindlich angesehen werden, und zur Neuordnung der Gegenstandsbereiche, mit denen sich ein Fach befasst. Fachextern wird dieser Prozess von einer Neubestimmung der Beziehungen zu anderen Fächern begleitet, die veränderte Disziplinkoalitionen und die Bildung neuer Fächer zur Folge haben kann. In den letzten Jahrzehnten haben sich diese Wandlungsprozesse in den Wissenschaften durch die zunehmende Globalisierung und das Vordringen der elektronischen Medien noch weiter beschleunigt und zugleich qualitativ verändert. Der Kulturenkontakt wird enger. Zugleich entwickeln sich Medien universaler Kommunikation, die Sprach- und Kulturgrenzen immer durchlässiger und Gleichzeitigkeit zu einem bestimmenden Merkmal des wissenschaftlichen Austauschs machen.

Stärker noch als in der Vergangenheit versuchen einzelne Disziplinen, auf diese Wandlungsprozesse mit neuen Nomenklaturen und nicht zuletzt Umbenennungen des Fachnamens zu reagieren. Für die Geisteswissenschaften gilt dies in besonderem Maße - nicht nur in Deutschland, sondern auch dort, wo es um die 'Humanities' oder die 'Sciences humaines' geht. Im Förderbereich "Geschichte, Sprache und Kultur" soll auf die eben genannten Wandlungsprozesse der Geisteswissenschaften mit angemessener Offenheit reagiert werden. Unstrittig ist, dass sich die klassischen Geisteswissenschaften deutschen Ursprungs nicht zuletzt unter dem Einfluss der angelsächsischen Forschung zu Kulturwissenschaften entwickelt haben. Sie haben ihre eurozentrische Perspektive abgelegt und nutzen seit langem Theorie- und Methodenangebote aus anderen Fachgruppen zu ihrem eigenen Vorteil. Sie sind nicht länger darauf konzentriert, ein erkenntnistheoretisches Paradigma in Absetzung von den Naturwissenschaften zu entwickeln, sondern sehen, um nur ein Beispiel zu nennen, die Fruchtbarkeit der Kooperation mit den kognitiven Neurowissenschaften.

Gleichzeitig soll im Förderbereich "Geschichte, Sprache und Kultur" das Erbe der traditionellen Geisteswissenschaften gewahrt und fruchtbar weiterentwickelt werden. Trotz aller fachlichen Neukombinationen bleibt der Rückbezug auf "traditionelle" Fächer wie die Philosophie und die Theologie wichtig, die ebenfalls in Wandlungsprozessen begriffen sind, zugleich aber weiterhin erkenntnisleitende Orientierungen bieten, die allen Fächern im weiten Bereich der Geistes- und Kulturwissenschaften von Nutzen sein können.

Auf die Wandlungsprozesse in den Geisteswissenschaften will die Stiftung dabei mit angemessener Offenheit reagieren. Sie will auf der einen Seite Projekte fördern, die - nicht zuletzt unter dem Einfluss angelsächsischer Forschung - als "kulturwissenschaftlich" bezeichnet werden können und insbesondere den interdisziplinären Kontakt mit den Sozialwissenschaften suchen. Sie will besonderes Augenmerk auf Forschungsvorhaben richten, die auf eine Kooperation mit den Naturwissenschaften - insbesondere den kognitiven Neurowissenschaften - abzielen. Zugleich will sie die Forschungstraditionen "klassischer" geisteswissenschaftlicher Disziplinen - insbesondere der Philosophie und der Theologie - weiterhin fördern, die allen Fächern im weiten Bereich der Geistes- und Kulturwissenschaften zur Anregung dienen können.