Arbeitskreise Text & Textlichkeit Aktuelles

Aktuelles

  • 15.-16.11.2018: Öffentliches Kolloquium „Prädikation und Bedeutung“

    Zwei komplementäre konzeptuelle Verschiebungen zählen zu den Ursachen, die während der letzten Jahrzehnte zum Geltungsverlust des sprachlichen Textes als des einst zentralen Forschungsgegenstands der Geistes- und Kulturwissenschaften geführt haben. Da ist zunächst die Metaphorisierung des Textes, etwa im Konzept der „Kultur als Text“. Darüber hinaus tragen Ansprüche anderer Wissenschaften auf eigenständige und vor allem sprachunabhängige Verfahren der Generierung von Bedeutung zu dieser Tendenz bei, insbesondere in der Bildwissenschaft.

    Angesichts dieser Situation scheint es angebracht, nach den spezifischen Verfahren wie Leistungen sprachlicher Bedeutungsbildung zu fragen. Das Kolloquium möchte deshalb das Phänomen der Prädikation und die in ihr steckende Leistung sprachlicher Konstitution von Sinn – also die Bedeutung – zum Ausgangspunkt einer Reflexion machen, die nach der Reichweite des Zusammenhangs zwischen beiden Phänomenen in unterschiedlichen Wissenschaften fragt.

    Bei dem Kolloquium handelt es sich um eine öffentliche Veranstaltung. Um Anmeldung wird gebeten.

    Programm

  • 02.-03.03.2018: Workshop „Textstruktur und Textgeltung“ (nicht-öffentlich)

    Inwieweit hängt die spezifische Autorität von Texten mit ihrer jeweiligen Struktur zusammen? Welche rhetorischen Verfahren kommen zum Einsatz, um einen normativen Gehalt von Texten zu etablieren? Wie genau tragen institutionelle Faktoren zur Autorisierung und Kanonisierung von Texten bei? Und welche kulturellen, medialen und sozialen As­pekte liegen dem Autoritätsverlust von kanonisierten Texten bzw. etablierten textuellen Praktiken zugrunde?

    Diese Fragen bilden den thematischen Fokus des ersten Workshops des im Oktober 2017 von der Fritz Thyssen Stiftung neu etablierten Arbeitskreises zum Thema „Text und Textlichkeit“ unter der Leitung von Prof. Andreas Kablitz (Lehrstuhl für Romanische Philologie und Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Universität zu Köln), Prof. Christoph Markschies (Lehrstuhl für Ältere Kirchengeschichte, Humboldt-Universität zu Berlin) und Peter Strohschneider (Lehrstuhl für Germanistische Mediävistik, Ludwig-Maximilians-Universität München). Dem interdisziplinären Charakter dieses Arbeitskreises folgend soll der besondere Zusammenhang zwischen Fragen der Textstruktur und solchen der Textgeltung ausdrücklich unter Einbeziehung verschiedenster Fächerperspektiven untersucht werden. Im Vordergrund stehen Beiträge, die sich mit den besonderen Autorisierungsverfahren und Geltungsansprüchen von juristischen, religiösen und poetischen Texten befassen. Neben den Dimensionen der Produktion und Rezeption solcher Texte werden dabei auch die institutionellen Zusammenhänge erörtert, die sowohl bei der Sicherung als auch bei der Negation von Textgeltungsansprüchen zum Tragen kommen.

    Bei dem Workshop handelt es sich um eine nicht-öffentliche Veranstaltung.

  • 23.10.2017: Eröffnungsveranstaltung des Arbeitskreises „Text und Textlichkeit“

    Der Text des Populismus

    Öffentlicher Abendvortrag von Peter Strohschneider (Ludwig-Maximilians-Universität München/Deutsche Forschungsgemeinschaft)

    Populistische Politiken überspringen die „Grenzen der Gemeinschaft“ (Helmuth Plessner) und suchen deren kompakte Konsoziationsformen auf die höchst ausdifferenzierte moderne Gesellschaft überhaupt auszudehen. Eine wichtige Rolle spielen dabei Textstrategien einer phantasmatischen Unmittelbarkeit, wie die Digitalschriftlichkeit der (a)sozialen Medien sie ermöglicht. Der populistische „war on media“ und gegen die sogenannte „Lügenpresse“ erweist sich von daher – anders als die Rede vom „postfaktischen Zeitalter“ annimmt – nicht als Angriff auf die Unterscheidbarkeit von Wahrheit und Lüge, sondern vielmehr als Angriff auf die Indirektheit, Vermitteltheit und Vorbehaltlichkeit jener Gesellschaftsverhältnisse der „Gutenberg-Galaxis“, als deren Ordnungsform die moderne Demokratie sich herausgebildet hatte. Der Streit um Populismus einerseits, pluralistische Gesellschaft und konstitutionelle Demokratie andererseits lässt sich insofern auch als Konflikt zweier Paradigmen von Textlichkeit beschreiben.