Arbeitskreis

Menschenrechte im 20. Jahrhundert

In der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts sind die Menschenrechte zu einem Signalbegriff der politischen Kommunikation geworden. Diese Entwicklung war Teil der wachsenden Verrechtlichung nationaler und internationaler Politik nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und Folge der sich aus ihm ergebenden neuen Konfliktlagen. Seitdem bedient sich eine Vielzahl von Akteuren aus unterschiedlichen Motiven der Sprache der Menschenrechte und nutzt sie zur Durchsetzung ihrer jeweiligen Interessen. Nach den beiden Supermächten und deren Verbündeten erkannten die antikolonialen Befreiungsbewegungen das Potenzial des Menschenrechtsdiskurses. Durch die wachsende Bedeutung zivilgesellschaftlichen Engagements kamen seit den sechziger und siebziger Jahren neue Akteure und neue Formen des Menschenrechtsaktivismus hinzu. Mittlerweile widmen sich zahlreiche staatliche, halbstaatliche und nichtstaatliche Organisationen der Stärkung der Menschenrechte.

Der Arbeitskreis der Fritz Thyssen Stiftung bietet Vertretern unterschiedlicher Disziplinen ein Forum, die Entwicklung der Menschenrechte im 20. Jahrhundert historisierend zu reflektieren. Im Zentrum steht dabei der Blick auf nationale und internationale Akteure, Konzeptionen und Praktiken: Auf welche Weise und mit welchen Motiven trieben und treiben verschiedene Gruppen und Individuen die menschenrechtliche Normsetzung voran? Welche Praktiken entstehen daraus? Welche Rolle spielen Arenen wie die UNO, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte oder der Internationale Strafgerichtshof? Mit welchen Begründungen operieren Anhänger und Gegner der Menschenrechte?

Der Arbeitskreis organisiert Workshops und öffentliche Veranstaltungen zu einschlägigen Themen, fördert Forschungsprojekte, gibt eine Schriftenreihe heraus und zeichnet verantwortlich für das Internetportal Quellen zur Geschichte der Menschenrechte. Das Portal präsentiert lebensgeschichtliche Interviews mit Personen der Menschenrechtsgeschichte und einschlägige wissenschaftlich kommentierte Schlüsseldokumente.